Hygiene in der Küche - ein paar Überlegungen

 Hallo, Herr Meier,

zunächst einmal Dank für den netten Kommentar. In meinem Artikel schreibe ich allgemein über Lebensmittelskandale und die Konsequenz, den die Politik daraus bisher gezogen hat. In diesem Zusammenhang wurde uns ja unter anderem auch die Lebensmittelampel versprochen - auch wenn diese weder mit EHEC noch Dioxin-Eiern etc. zu tun hat. Den Bogen von Lebensmittelskandal zur Gastronomie habe ich nicht gespannt, sondern letztlich die Politik.

Dennoch halate ich auch das Beispiel mit der Lebensmittelampel für typisch. Da wird mit viel Getöse etwas angekündigt, das zwar umstritten ist, sich aber wie Verbraucherschutz anfühlt. Letztlich passiert aber nichts. Wer dabei auf der Strecke bleibt, ist auch klar.

Zum Thema Lebensmittelampel - was sicherlich genug Umfang für einen eigenen Artikel haben kann - nur so viel:

Ob die aktuellen Kontrollen ausreichend sind, kommt meiner Meinung nach sehr auf den jeweiligen Kreis bzw. Stadt an. Sicherlich gibt es auch hier Behörden, die ihre Aufgabe ernst nehmen wie es vorbildlich geführte Betriebe gibt. Das Problem ist aber nicht die Frage, ob die Kontrollen ausreichend sind oder nicht - sondern die Kommunikation und den fehlenden Marktdruck. In der Wirtschaft allgemein funktioniert über Sanktionen manches, das bei weitem meiste aber durch Kundendruck (Angebot und Nachfrage). 

Die bisherigen Kontrollen werden nicht transparent. Der Gast weiß nicht, ob der Betrieb vorbildlich, gut oder mangelhaft ist. Erst wenn er geschlossen ist, merkt er, dass was nicht stimmt. Selbst hier kann der Wirt noch eine Renovierung, Reperatur usw. vorschieben. 

Ich gebe Ihnen recht, dass auf dem Sticker "Lebensmittelampel" auch das Prüfdatum stehen sollte. Quasi wie der TÜV-Stempel beim Auto.

MfG
Peter Dreuw

 

Im letzten Jahr hatten wir ja einige Lebensmittelskandale. Alles fing mit Dioxin-Eieren an und hatte einen traurigen Höhepunkt mit der Fahndung nach den EHEC-Erregern. man suchte Deutschland- und Europaweit. Mal soll es der Salat Schuldgewesen sein, mal die Gurke. Ob eine einzelne Gurke oder doch mehr alle aus einem bestimmten Land - man wusste es nicht genau. Trotzdem wurden schonmal sicherheitshalber ganze Lastkraftwagenladungen vernichtet.

Die Preise für frisches Gemüse, Obst und Salat waren buchstäblich im Keller und trotzdem kaufte kaum jemand Salat. Gut, ich mus zugeben, ich habe weiter Salat und Gemüse gekauft, EHEC hin oder her.

Ich bin auch prompt mitten drin an einer Durchfallerkrankung erkrankt; allerdings war es kein EHEC sondern Salmonellen. Wie kann so etwas passieren?

Salmonellen sind Erreger, die auf fast allen Geflügelprodukten zu finden sind. Spätestens außen auf der Schale eines rohen Eis findet man welceh. Daher besteht immer die Gefahr, dass man Speisen damit kontaminiert.

In der Gastronomie gehören daher beispielsweise rohe Eier in ein geschlossenes, luftdichtes Behältnis. Eine Kontamination mit Salmonellen kann so besser verhindert werden Ebenso ist es üblich und für die Gastronomie teilweise Vorschrift, Messer und Schneidebretter etc., die man für Geflügel benötigt, nicht auch für Fleisch zu nutzen. Im Idealfall hat man sogar noch ein drittes Schneidesortiment für Salat.

Bei uns zu Hause wird diese Trennung jedenfalls seit dem letzten Jahr auch in der privaten, heimischen Küche gelebt.

Trotzdem darf man einmal auf das letzte Jahr zurückblicken:

Da wurde mit dem EHEC-Erreger buchstäblich die Sau durchs Dorf getrieben und viel Aufhebens um Hygiene gemacht - was ich auch für absolut richtig halte. Ich bin zwar kein Freund von übertriebener Hygiene im Privathaushalt, beispielsweise Desinfektionsmittel haben dort nur selten etwas verloren. Aber gerade im Bereich professioneller Küchen, insbesondere wo viele Menschen täglich essen, darf man in Nordeuropa einen gewissen Standart erwarten!

So wurde dann auch im letzten Jahr uns von der Politik vollmundig versprochen, dass "Anfang 2012" spätestens die sogenannte Restaurant-Ampel oder Hygiene-Ampel kommen soll, wie man hier unter anderem nachlesen kann.

Besucht man heute die Webseite http://www.hygiene-ampel.de/, ließt man dort immer noch, das die Ampel vorraussichtlich Anfang 2012 starten soll - wir haben bereits Mai 2012...

Im Herbst 2011 hatten die Verbraucherminister nochmals einen Anlauf genommen, die Ampel ins rollen zu bringen. Ein Umsetzung in die Praxis sieht man freilich nicht. Wahrscheinlich brauchen wir wieder einmal einen besonders widerlich leckeren Lebensmittelskandal.

Der Skandal in einer bayrischen Brotfabrik im Februar 2012 (siehe Süddeutsche online) ließ sich vermutlich gut genug unter dem Teppich halten, um eine weitreichende Reaktion der Öffentlichkeit zu vermeiden. Naja, Lebensmittelmotten im Brot sind zwar unschön, aber wohl zu auffällig, als dass die jemand probiert.

Ich würde es jedenfalls begrüßen, wenn die die Hygieneampel für Gastronomie käme. Ich habe einerseits lange genug in der Gastronomie gearbeitet, um zu wissen, was machbar ist, andererseits habe ich, wenn ich essen gehe, immer ein komisches Gefühl, wenn ich die Gaststätte nicht kenne. Transparenz durch ein neutrales Gutachten, sei es durch die Lebensmittelüberwachung oder ein anderes Qualitätsmanagementsystem mit regelmäßigem externen Audits wäre wirklich gut.

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