Sind Einmachgläser heute noch zeitgemäß?

Ich lebte als Kind mit meinen Großeltern und meiner Mutter in einem Haus mit großem Garten. Obst und Gemüse haben wir selten im Laden gekauft, sondern selbst angebaut, geerntet und gemeinsam eingemacht. Ich fand es immer sehr schön, mit der Familie Johannisbeeren und Stachelbeeren zu pflücken, Sauerkirschen zu entkernen, grüne Bohnen zu schnippeln oder mit Mama Spargel zu stechen. Die gemeinsame Arbeit im Garten und dann beim Einmachen in unserer großen Wohnküche hat viel Spaß gemacht. Damals war meine Welt noch vollkommen heil und ich denke gerne daran.

Später, als Oma und Opa nicht mehr lebten, habe ich geheiratet und selbst Kinder bekommen. Vier Stück an der Zahl. Meine Mama blieb bei uns. Auch mit meinen Kindern bin ich Einmachgläser kaufen gegangen, um dann mit ihnen gemeinsam in unserem immer noch vorhandenen Garten Obst und Gemüse zu ernten und ihnen zu zeigen, wie schön es ist, in der Küche Dinge zu verarbeiten, von denen man genau wusste, wo sie gewachsen sind und wobei wir sicher waren, das ist alles noch gesund und ohne künstliche Chemie verarbeitet worden.

Inzwischen bin ich selbst alt geworden, meine Mama ist gestorben, mein Mann hat mich verlassen und die Kinder sind längst alle erwachsen und ausgezogen und haben nur selten Zeit. Ein Haus und einen Garten habe ich auch nicht mehr, nur einen Hund,eine Katze, zwei Pferde und einen neuen Lebensgefährten, dessen Kinder auch kaum Zeit für ihn haben. Unsere Haustiere sind für uns Kinderersatz geworden. Wir beide denken oft, wie schön es wäre, noch ein Haus, einen Garten oder einen Schrebergarten zu haben und wie glücklich junge Familien sein können, die wie wir früher mit ihren Kindern Einmachgläser kaufen gehen können, im Garten dann gemeinsam alles ernten und in Harmonie ihre selbst gezogenen Schätze einmachen.

Hinter dem Mietshaus, wo wir wohnen, gibt es eine Hundewiese, auf der viele Obstbäume wachsen. Vielleicht sollten wir zwei einfach doch noch einmal Einmachgläser kaufen und Äpfel, Birnen, Zwetschgen oder Brombeeren und Himbeeren einmachen und dabei ein wenig Nostalgie aufkommen lassen.